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Missionare auf Zeit: Ein Angebot für junge Männer und junge Frauen


Missionarin auf Zeit



Julian Brummelte (2.v.r.)
Missionar auf Zeit
In den letzten Jahrzehnten sind viele neue Formen entstanden, in denen Menschen in der Kirche ihre eigene Berufung leben können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, als MissionarIn auf Zeit (MaZ) für ein Jahr des eigenen Lebens am Verkündigungsauftrag der Kirche und ihren vielfältigen Hilfswerken für Menschen teilzunehmen.
Im Sommer 2011 wurde aus unserer Pfarrei in einer Heiligen Messe in der Hl. Geist Kirche Julian Brummelte als solcher Missionar ausgesandt. In Paderborn hatte vorher ein Aussendungsgespräch stattgefunden, bei dem Weihbischof König mehrere Missionare auf ihren Weg schickte. 2011/2012 reisen insgesamt 59 junge Frauen und Männer aus dem Erzbistum Paderborn für ein Jahr nach Afrika, Asien, Osteuropa, Süd- und Mittelamerika.
Sie arbeiten in ihrem Einsatzland in kirchlichen Einrichtungen mit. Vom Erzbistum Paderborn und Ordensgemeinschaften, die vor Ort ihren Einsatz begleiten, wurden sie vorbereitet. Universitäten und Fachhochschulen erkennen den Auslandsaufenthalt bisweilen als Praktikum an. Wer in der Gemeinde- und Jugendarbeit engagiert ist, hat gute Chancen, unter den bis zu 500 Bewerbungen pro Jahr ausgewählt zu werden.

Inzwischen ist Julian Brummelte wohlbehalten zurück. In verschiedenen Gottesdiensten und in einem Vortrag hat er von seinen Erfahrungen berichten können. Wir lassen einige Zeilen aus seinem letzten Projekt jedoch für Sie sichtbar, weil Sie / Dich solche Erfahrungen möglicherweise für eigene Überlegungen interessieren könnten...

In den letzten Wochen Wochen arbeitete Julian Brummelte noch in einem sozialen Projekt in New Orleans.
Wir drucken hier aus seinem letzten Brief vor der Rückkehr ab

Meine Lieben,
In der letzten Woche meines Einsatzes als Missionar auf Zeit möchte ich mich noch einmal aus den USA melden. Am 23. Juli, also in acht Tagen, lande ich um 11.30 morgens in Deutschland. Die letzten Tage werden neben den Vorbereitungen für meine Abreise ein intensives Zusammensein in der Hausgemeinschaft beinhalten.
Hier im Haus hat sich einiges ereignet von dem ich gerne berichten möchte: Als ich hier in New Orleans ankam, lebten im Haus außer den vier Volunteers keine weiteren Gäste (der letzte war gerade ausgezogen). Ende Juni waren wir dann zu neun Bewohnern. Neben der Betreuung von Obdachlosen ist ein wichtiger Teil der Arbeit, dass wir ein paar wenigen Menschen ein Dach über dem Kopf ermöglichen können, indem wir sie ins Haus aufnehmen und sie so lange mit uns wohnen, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Das Auswahlverfahren dieser Menschen, mit denen wir das Haus teilen, ist sehr intensiv. Wir müssen schließlich genau wissen, mit wem wir es zu tun
haben.
An dieser Stelle möchte ich kurz von den Schicksalen unserer Gäste berichten:
Als erster wurde Mike aufgenommen, der 28 Jahre auf der Straße gelebt hat. Auf einem US Luftwaffenstützpunkt im Rheinland geboren, wurden er und seine Geschwister nach der Rückkehr in die USA vom Jugendamt in eine Pflegefamilie überwiesen, da beide Eltern nach der Zeit beim Militär alkoholabhängig wurden und der Vater dabei vor häuslicher Gewalt gegen Frau und Kinder nicht zurück schreckte. Nach der Highschool ging auch Mike zur Army, genauer zu den Marines, und war mehrere Jahre in Japan und Südkorea stationiert. Leider hatte er nie einen vernünftigen Umgang mit Alkohol gelernt, wodurch auch bei ihm die Gefahr bestand, abhängig zu werden und die Marines ihn
daraufhin ausmusterten. Seitdem hat er in verschiedenen Städten in Louisiana gelebt, mal auf der Straße, mal in kleinen Apartments. Seit einiger Zeit kam er regelmäßig zu den Mahlzeiten, die wir zwei Mal die Woche ausgeben und er fiel uns durch seine freundliche, ruhige und organisierte Persönlichkeit auf. Wir luden ihn zum Essen ins Haus ein und es war sehr schnell klar, dass er gut in die Hausgemeinschaft passen würde. Dies war dann nach seinem Einzug auch der Fall und er kümmerte sich zusätzlich hingebungsvoll um die drei Hühner im Garten des Hauses und unterhielt uns mit hervorragender Mundharmonika- Musik. Seit letztem Montag nun lebt Mike leider wieder auf der Straße. Er sagte, er sei es einfach nicht mehr gewohnt, in einem Haus zu leben. Hatte man ihm in den letzten beiden Wochen eine zunehmende Unzufriedenheit im Haus angemerkt, so sieht man ihm jetzt die wiedergewonnene Freiheit an.
In einer Stadt, in der der eigentlich überwundene Rassismus unterschwellig immer noch so stark in der Gesellschaft verankert ist, ist es wichtig, als soziale Einrichtung, wie unser „Haus der Gastfreundlichkeit“, ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen – gerade in einer Nachbarschaft wie der unsrigen, in der fast ausschließlich „people of color“ wohnen. Deswegen waren wir froh, zwei farbige Männer in unserem Haus aufzunehmen. Als erstes ist da Willie, der in New Orleans geboren, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Eine riesige Krankenhausrechnung nach einer Zahn- OP hat mit dazu beigetragen, dass er auf der Straße landete. Willie ist während des Hurricanes Katrina,
wie tausende andere Einwohner, in die Football- Arena, den Superdome, geflüchtet. Hier hat er fünf Tage mit all den Menschen auf engstem Raum bei über vierzig Grad Hitze auf das Abfließen der großen Flut gewartet. In den nächsten Wochen erwartet er, von der Behörde für Sozialwohnungen eine Wohnung zugewiesen zu bekommen.
Ein weiterer farbiger Mann ist Ursus, der von den Virgin Island in der Nähe von Jamaica stammt. Er ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Er wurde vor zwanzig Jahren wegen kleinen Drogenhandels zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Durch die eigenartigen Gesetze des Staates Louisiana, wurde er vor 8 Monaten wiederum belangt und für 6 Monate eingesperrt. Dabei muss man wissen, dass es keine große Kunst ist, in New Orleans im Gefängnis zu landen. Denn in keinem anderen Bundesstaat der USA sitzen so viele Einwohner -gemessen an der Bevölkerung- im Gefängnis, wie in Louisiana; In keiner anderen Stadt der USA und der Welt so viele, wie in New
Orleans. Grund ist, dass die Stadt für jeden Häftling und Tag Geld bekommt und dies als Einnahmequelle nutzt. Der korrupte, schlecht organisierte Polizeiapparat der Stadt kommt noch erschwerend hinzu.
Ursus ins Haus einzuladen, war nach einem kurzen Kennenlernen eine klare Sache, da sich der große muskulöse und freundliche Mann innerhalb von wenigen Stunden außergewöhnlich gut in die Hausgemeinschaft einfand. Er erwartet nun, bereits in den nächsten Tagen eine öffentlich geförderte Wohnung zu bekommen.
In dem Zimmer, das für weibliche Gäste vorbehalten ist, leben seit zwei Wochen zwei Schwestern. Sie stammen aus New Orleans, eine von ihnen war Künstlerin und hat ihre großen Malereien in einer Galerie ausgestellt. Als sie nach der Evakuierung durch Katrina nach New Orleans zurückkehrten, war klar, dass von der Kunst nicht mehr viel übrig war. Ihr Haus und die Galerie waren in einem Stadtteil, der über zwei Wochen ein Stockwerk hoch unter Wasser stand, nachdem einer der Dämme am Seitenkanal des Mississippi gebrochen war. Seitdem lebten sie in verschiedenen Häusern für Obdachlose, bis sie bei uns anriefen.

In den letzten Wochen bestand ein großes Projekt der gesamten Catholic Worker Gemeinschaft, (die wesentlich größer ist als unsere Hausgemeinschaft hier in New Orleans), darin, Informationsflyer über Haus und Arbeit zu erstellen. Wir haben alle zusammen am Text gearbeitet und ich habe alles in ein Design gekleidet. Diese Flyer wurden dann im Pfarrbüro der Heilig Geist Gemeinde gedruckt und im Eilverfahren von meiner Familie nach New Orleans geschickt. Vielen Dank noch einmal für die tolle und schnelle Unterstützung unserer Arbeit!

Als letztes gibt es wie immer einen kurzen Wetterbericht: Es gibt viele sonnige Tage mit schwüler Hitze bis zu 40°C, an denen es auch nachts nicht sehr viel kälter wird und es in meinem Zimmer trotz Klimaanlage an die 30°C bleiben. An manchen Tagen ergießen sich Tropenschauer mit Gewitter über der Stadt, die die Straßen innerhalb von Minuten überfluten. Auch dabei bleibt es meistens sehr warm.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für all die Unterstützung bedanken, die dieses einmalige Jahr für mich möglich gemacht hat.
Und somit verbleibe ich bis zu einem baldigen Wiedersehen in der Heimat mit lieben Grüßen und besten Wünschen,
Ihr und Euer Julian Brummelte
New Orleans, 14. Juli 2012


Das konkrete Projekt


Eigenes Interesse?


Wenn Sie Interesse haben an weiteren Informationen oder erwägen, selbst Missionar / Missionarin auf Zeit zu werden, melden Sie sich gerne unter pfarrei@hgbi.de. Wir werden Ihre Frage dann gegebenenfalls weiterleiten.

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