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Ein Angebot für junge Männer und junge Frauen


Julian Brummelte (2.v.r.)
Missionar auf Zeit
In den letzten Jahrzehnten sind viele neue Formen entstanden, in denen Menschen in der Kirche ihre eigene Berufung leben können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, als MissionarIn auf Zeit (MaZ) für ein Jahr des eigenen Lebens am Verkündigungsauftrag der Kirche und ihren vielfältigen Hilfswerken für Menschen teilzunehmen.
Im Sommer wurde aus unserer Pfarrei in einer Heiligen Messe in der Hl. Geist Kirche Julian Brummelte als solcher Missionar ausgesandt. In Paderborn hatte vorher ein Aussendungsgespräch stattgefunden, bei dem Weihbischof König mehrere Missionare auf ihren Weg schickte. 2011/2012 reisen insgesamt 59 junge Frauen und Männer aus dem Erzbistum Paderborn für ein Jahr nach Afrika, Asien, Osteuropa, Süd- und Mittelamerika.
Sie arbeiten in ihrem Einsatzland in kirchlichen Einrichtungen mit. Vom Erzbistum Paderborn und Ordensgemeinschaften, die vor Ort ihren Einsatz begleiten, wurden sie vorbereitet. Universitäten und Fachhochschulen erkennen den Auslandsaufenthalt bisweilen als Praktikum an. Wer in der Gemeinde- und Jugendarbeit engagiert ist, hat gute Chancen, unter den bis zu 500 Bewerbungen pro Jahr ausgewählt zu werden.

So beschrieb Julian Brummelte der Gemeinde selbst sein Projekt:
Ich werde Missionar auf Zeit !


Der Dienst als Missionar ist heute weniger von der ursprünglichen Intention geprägt, fremde Völker zum richtigen Glauben zu führen. Vielmehr hilft der Missionar im Sinne der christlichen Nächstenliebe bedürftigen Menschen in ihrer Not. 
Da helfen, wo es wirklich nötig ist - eine andere Kultur und Sprache kennenlernen – in solidarischer Gemeinschaft zusammen leben – Grenzen überwinden!
Diese und andere Dinge sind es, die mich bereits im letzten Herbst zu dem Entschluss kommen ließen, nach dem gerade abgeschlossenen Abitur ein Jahr als Missionar auf Zeit zu erleben.
So kann ich auf der einen Seite durch meine Unterstützung in einem Projekt Menschen helfen, auf der anderen Seite jedoch genau von diesen Menschen selbst etwas lernen und durch das Leben in der Gemeinschaft geprägt werden. Und so freue ich mich, meinen Dienst in El Paso in den USA anzutreten.

Meine Entsendeorganisation
Ich reise als Missionar auf Zeit (MaZ) über eine Entsendeorganisation aus, die Partnerschaften zu sozialen Projekten auf der ganzen Welt unterhält. 

Meine Entsendeorganisation -  der Pallottinische Freiwilligendienst -  legt unter dem Leitspruch „Leben und Lernen in Solidarität und Gemeinschaft“ besonderen Wert auf das christliche Geben und Nehmen und das Bemühen um mehr Solidarität und Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd auf unserer Erde.
In mehreren intensiven Seminaren wurde ich von meiner Organisation vorbereitet, sodass ich sowohl mit der richtigen Erwartung als auch der passenden Einstellung meinen Dienst beginnen kann.
Das Erzbistum Paderborn unterstützt dieses MaZ-Programm und unser Pastoralverbund „Im Bielefelder Westen“ hat mich in einem Gottesdienst ausgesendet.


Das konkrete Projekt


Das Projekt: Annunciation House in El Paso

Auf den ersten Blick erscheint es überflüssig, Missionare aus Europa in die USA zu senden. Grundsätzlich sind die Lebensbedingungen dort besser, als in vielen anderen Ländern, in die Missionare gesandt werden. Doch das Projekt, in dem ich leben, ist am äußersten Rand der amerikanischen Gesellschaft verankert, nämlich bei Flüchtlingen und illegalen Einwanderern. Mein  „Annunciation House“ (annunciation = Verkündigung) nimmt mexikanische Flüchtlinge auf, versorgt sie mit dem Nötigsten und tritt für ihre Rechte ein. Da das Projekt in El Paso, Texas, in direkter Nähe zur mexikanischen Grenze und der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez liegt, bietet es einen bedeutsamen Anlaufpunkt für all diejenigen Mexikaner, die sich in den USA eine bessere Zukunft erhoffen. Auch flüchten Viele vor der mexikanischen Drogenmafia. Aufgrund der strengen amerikanischen Einreisebedingungen scheint es für viele Mexikaner keinen anderen Ausweg zu geben, als unter Einsatz ihres Lebens und der Trennung von Familien und Freunden – aber auch zusammen mit ihren Familien - den 1.125 Kilometer langen Grenzzaun illegal zu überwinden. Das „Annunciation House“ nimmt viele dieser Flüchtlinge auf und versucht, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken. Wird diese nicht gewährt, werden die Flüchtlinge - selbst wenn sie im „Annunciation House“ untergebracht sind - von der Boarder Patrol (Grenzpolizei) festgenommen und nach Mexiko abgeschoben.
In diesem Projekt lebe ich und arbeite ich für ein Jahr und versuche, möglichst Vielen zu helfen.


Aus den Nachrichten für die Heimat


Das Annunciation House

Unser Büro

Mein Doppelzimmer

Unser Gemeinschaftsraum
Wir geben Auszüge aus seinen Nachrichten an die Unterstützer und die Gemeinden wieder, die in den vergangenen Monaten in der Heimat ankamen:

Meine Lieben,

Nach den ersten Monaten als MaZ in den USA hier an der Grenze zu Mexiko habe ich mich zwar schon sehr an mein Leben gewöhnt, trotzdem gibt es immer wieder Momente, die einfach außergewöhnlich sind und deshalb neue Erfahrungen mit den Flüchtlingen bringen. Mir geht es nach wie vor sehr gut und ich verstehe mich bestens mit den anderen Freiwilligen (Volunteers) im Annunciation House.

Zurzeit betreue ich eine Journalistin aus Ciudad Juarez. Sie hat lange Zeit für die Regierung gearbeitet und für mehrere renommierte Zeitungen geschrieben. Zudem hat sie sich in große Gefahr gebracht, als sie über mexikanische Drogen- Kartelle mit Sitz in Juarez berichtete. Auch nach mehreren Morddrohungen hat sie sich nicht von ihrer Arbeit abbringen lassen. Erst als sie nachts in ihrem eigenen Auto ausgeraubt und sexuell belästigt wurde, stand der Beschluss für sie fest in die USA zu fliehen. Ob der Überfall, bei dem zwei Männer mit Pistolen zu ihr ins Auto stiegen, sie belästigten, ausraubten und aus dem Auto warfen, mit ihrer ehemaligen  Arbeit zu tun, ist ihrer Meinung nach nicht erwiesen. Es war auf jeden Fall bewegend, als ich sie mir ihre Geschichte erzählte und sie von den Erinnerungen geschüttelt, weinend vor mir saß. Ich empfand es als sehr herausfordernd, eine erwachsene Frau, die nur acht Tage älter als meine eigene Mutter ist, wieder aufzubauen, ihr Trost zu spenden und mit ihr zu versuchen, in den USA Fuß zu fassen. Mittlerweile ist sie in psychiatrischer Betreuung, um ihr Trauma zu verarbeiten und besucht eine Englisch - Schule für Erwachsene, mit dem festen Ziel auch hier wieder als Journalistin zu arbeiten. Die Herzlichkeit, mit der sie mir für meine Hilfe dankte, hat mich in meiner Arbeit umso mehr bestärkt.


Ist man als Volunteer für die Spätschicht eingeteilt, schläft man nach Ende der normalen Schicht in einem Raum, von dem aus man die Tür -  und Büroklingel hört und in dem ein Telefon steht. An einem Sonntag wurde ich um vier morgens von hektischem Klingeln aus dem Schlaf gerissen. Als ich die Tür aufriss, saß auf einem Sofa eine Mutter mit ihrem schreienden Kind. Es war jene Mutter, die ich am Tag vorher in unser Haus aufgenommen hatte mit einem elfjährigen Sohn, einer sieben und einer zwei Jahre alten Tochter und diesem 5 Monate jungem Baby. Da das Baby am Abend vorher bereits Fieber hatte, war ein Volunteer mit der gesamten Familie ins Krankenhaus gefahren, wo sie Medizin erhalten hatten. Umringt von einigen Gästen saß die Mutter weinend mit ihrem herzzerreißend schreienden Kind da. Ich fühlte sofort den Kopf des Kindes – das Fieber war nach wie vor hoch – und stellte fest, als ich meine Hand auf den Brustkorb legte,  dass es um Atem rang, weshalb die Schreie immer erstickter kamen. Jetzt bekam auch ich es mit der Angst zu tun und wählte sofort die Notrufnummer der USA - 911. Es brauchte wahnsinnige Konzentration der Frau am anderen Ende der Leitung alles klar zu schildern und dann ihren in gebrochenem Englisch und durch das Schreien des Kindes kaum zu verstehenden Anweisungen zu folgen. Zum Glück waren andere Volunteers durch das Schreien wach geworden und gemeinsam schafften wir es, Mutter und Kind etwas zu beruhigen. Als die Ambulance endlich eingetroffen war, kam das fiebernde Baby endlich schnell ins Krankenhaus. Um viertel vor sieben lag ich wieder im Bett – bis zum Montagmorgen- Meeting um acht.

In der vorletzten Woche haben wir Volunteers einen Film über die Morde in Ciudad Juarez gesehen. In dem Film wird nicht nur die Kaltblütigkeit und Brutalität der Drogenkartelle gezeigt, die jeden umbringen lassen, der in geringster Weise stören könnte. Es wird vor allem die durch Korruption ausgelöste  Ohnmacht der Behörden gezeigt. Im letzten Jahr wurden in Juarez so viele Morde verübt, dass – auf 365 Tage gesehen -  jeden Tag acht Menschen umgebracht wurden. Nach dieser Tatsache ist auch der Film benannt - „8 murders a day“. Es wurde mir wieder bewusst, wie nah ich der schrecklichen Realität bin. Da kann auch  die Tatsache, dass El Paso die sicherste Stadt der USA mit 600.000 Einwohnern ist, nicht ganz über die nahe Gefahr hinwegtäuschen. Ich möchte damit keine Angst machen, sondern Bewusstsein schaffen, in was für einer sicheren Welt wir daheim in Deutschland wohnen.  Man kann nur darauf vertrauen, dass - wie auch in den letzten 33 Jahren der Geschichte unseres Annunciation Hauses - weiterhin nichts ernsthaft Schlimmes passiert.

Ihr und Euer Julian Brummelte


Es gibt übrigens auch einen Blog: http://julianelpaso.blogspot.com/

Eigenes Interesse?


Wenn Sie Interesse haben an weiteren Informationen oder erwägen, selbst Missionar / Missionarin auf Zeit zu werden, melden Sie sich gerne unter pfarrei@hgbi.de. Wir werden Ihre Frage dann gegebenenfalls weiterleiten.

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