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Trotz Glaubenskrise in der katholischen Kirche steigt die Zahl der Messdiener (NW)

Aktuelles aus der Presse:

Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt (MW), Dienstag 14. September 2010

Junge Verfechter des Glaubens

Trotz Glaubenskrise in der katholischen Kirche steigt die Zahl der Messdiener


VON CORNELIA PFEIFER


Bielefeld. Missbrauchsfälle, Austritte und immer weniger Nachwuchs im Priesterseminar – über die katholische Kirche gab es in letzter Zeit viele negative Schlagzeilen. Trotz demographischen Wandels und Glaubenskrise ist aber die Zahl der Messdiener in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.


Während die Anzahl der jungen Katholiken zwischen neun und 25 Jahren in Bielefeld nach Auskunft des statistischen Amtes von 2003 bis 2009 um neun Prozent sank, stellte das Bistum Paderborn im gleichen Zeitraum bei der Zahl der Ministranten eine Steigerung um sieben Prozent fest. Bei der letzten Zählung im Jahr 2009 gab es 857 Ministranten in Bielefeld. Der Anteil von weiblichen und männlichen Messdienern ist relativ ausgeglichen. Im Jahr 2003 waren in Bielefeld 428 Mädchen und 366 Jungen als Ministranten im Dienst der Kirche. Sechs Jahre später waren es 419 Mädchen und 438 Jungen.


Pfarrer Markus Jacobs von der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist im Stadtteil Dornberg erklärt sich die wachsende Zahl der Ministranten gerade durch die Glaubenskrise. „Weil der Glaube kein Massenphänomen mehr ist, müssen sich die jungen Leute genau überlegen, ob sie sich dazu bekennen wollen. Sie müssen ihren Freunden erklären, warum sie mehrmals in der Woche keine Zeit mehr haben. Wer sich dann aber bekennt, der tut es sehr bewusst“.


Deshalb würden in den vergangenen 15 Jahren immer mehr Messdiener ihren Dienst nicht nur bis zum 14. Lebensjahr, sondern teilweise sogar bis zum 25. Lebensjahr verrichten.


Das kennt auch der 19-jährige Lukas Nitkiewicz. Er ist Obermessdiener in der St. Jodokus-Gemeinde und in seiner Gemeinde gibt es auch über 40-jährige Messdiener. Er selber hat sich direkt nach der Kommunion für den Messdiener-Dienst entschieden. „Viele meiner Freunde waren auch dabei – und ein Gottesdienst ist viel aufregender, wenn man direkt am Geschehen ist und etwas tun kann“, sagte er.


Inzwischen ist Lukas sogar noch näher am Kirchenleben dran als die meisten anderen, denn seine Familie ist in das Pfarrhaus direkt neben der Jodokus-Kirche eingezogen.


Jetzt, wo er älter ist, übernimmt Lukas immer mehr Aufgaben im Gottesdienst und kann auch an Fortbildungen für Gruppenleiter teilnehmen. In seiner Gemeinde helfen die Messdiener nicht nur bei der Gestaltung des Gottesdienstes, sondern leiten auch die Jugendgruppen der jungen Messdiener. „Da führen wir die Kleinen in ihre Aufgaben ein, aber wir machen auch Spielenachmittage, Bastelaktionen oder fahren mal zusammen in einen Freizeitpark“, sagt Lukas Nitkiewicz.


Diese Gemeinschaftserlebnisse und die ständig wachsenden Grossereignisse, wie die Rom-Wallfahrt der Messdiener mit rund 56.000 Teilnehmern, tragen seiner Ansicht nach zum Reiz des Ministranten-Amtes bei.


Und sie führen auch dazu, dass die Messdiener während des Gottesdienstes zusammenhalten, wie Lukas erklärt. „Wenn einer mal falsch läuft, laufen eben alle anderen hinterher – dann fällt es nicht so auf.“


© 2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Dienstag 14. September 2010
 

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